Auf Spurensuche in der Vergangenheit – Lesung und Gespräch
Der Volkskundler und Sozialhistoriker Joska Pintschovius präsentiert seine Sachbücher »Der Bürger-Kaiser« und »Die Diktatur der Kleinbürger«.
Pintschovius´ Analysen und Betrachtungen der deutschen (Mentalitäts-)Geschichte räumen auf mit vielen Klischees und bieten ebenso spannende wie beeindruckende Einblicke in scheinbar vergangene Lebenswelten.
| Auf Spurensuche in der Vergangenheit – Lesung und Gespräch | ||||
| 06.05.2009 | 18:30 | HEYMANN am Eppendorfer Baum | ||
| Eintritt frei | ||||
Der Bürger-Kaiser
Joska Pintschovius
Über wenige Gestalten der Geschichte ist das Urteil so
eindimensional wie über Wilhelm II. Und so einhellig, dass sich Churchills
Diktum aufdrängt: »Wo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht.« Mit
dichtem Quellenmaterial zeigt Pintschovius Wilhelm II. nicht als Kriegstreiber,
sondern als Friedensbewahrer, den Reaktionär als konstitutionellen Politiker,
den Autokraten als Spielball divergierender politisch-sozialer Gruppen, die
ihre Ziele auf die Figur des Kaisers projizierten, den Dummkopf als
»Überflieger«, der seiner Umgebung deutlich überlegen war.
Die Diktatur der Kleinbürger
Joska Pintschovius
Um Gartenzwerge geht es in dieser Mentalitätsgeschichte allenfalls im metaphorischen Sinne: »Die Diktatur der Kleinbürger« ist keine Satire ? was indes die Wirklichkeit nicht daran hindert, sich als Realsatire zu präsentieren. In Joska Pintschovius hat sie ihren Chronisten und Analytiker gefunden.
Vom Mittelalter bis in die Gegenwart folgt Pintschovius dem Weg, auf dem die Kleinbürger zur heute herrschenden Schicht der »Neuen Mitte« aufstiegen. Den Erfolg bewirkten moralische Normen, die den Stand zu einer Einheit formierten. Über Parvenus fand die Kleinbürgermoral allmählich Eingang in die »höheren Stände«. Diesen Wandlungsprozess illustriert der Autor mit einer Fülle biographischer Fallbeispiele von Luther bis zu den Eliten des wiedervereinigten Deutschland.


















